Theater Naumburg

Ensemble

Adrien Papritz

Sklaventreiber

Ja, Geld macht das Leben einfacher, ist aber nicht alles. Ich kenne keine andere Erfindung, die so viele schlechte Wesenszüge des Menschen hervorruft wie das Geld: Neid, Egoismus, Niedertracht, Gier, Machtlust.

Sind wir nicht alle Sklaven des Geldes? Sklaven der Angst, genug davon zu haben, und wenn wir dieses erreicht haben, Sklaven der Angst, es wieder zu verlieren. Diese Angst sitzt uns bei fast allen Entscheidungen im Nacken: studiere ich? Für welches Jobangebot entscheide ich mich anschließend? Kann ich mir eine Familie leisten? Und wie viel muss ich arbeiten um später wenigstens ein bisschen Rente zu haben? Diese Angst und das Ankämpfen dagegen, wobei wir (fast) zu allem bereit sind, lässt uns leider oft den Blick für die wirklich wichtigen Dinge im Leben verlieren: eigene Träume, Zeit mit den liebsten Menschen verbringen, Gesundheit.

Und doch muss die Aussage „Geld ist nicht alles“ selbst in unserer hoch entwickelten 1. Welt leider für viele wie Hohn klingen und kann selbst in einer der reichsten Nationen der Welt, in der, trotz wachsendem Reichtum, immer mehr Menschen von Armut betroffen und bedroht sind, nicht von allen geteilt werden. Von den vom Geld versklavten Menschen, die in anderen Ländern als billige Arbeitskraft schuften um das gesamte System des ausbeutenden Kapitalismus am Leben zu halten, mal ganz abgesehen.

Dabei kann man mit Geld so schöne Sachen anstellen: was wäre die Erde für ein wunderbarer Ort, wenn die 1,5 Billionen Dollar an weltweiten jährlichen Rüstungsausgaben für erneuerbare Energie, Umweltschutz und soziale Projekte ausgegeben würden. Oh Entschuldigung, ich vergaß, „Lebensträume“ war das Motto der vergangenen Spielzeit und die Kreatur Mensch ist und bleibt nur Mensch.

© 2019 Torsten Biel