Theater
Naumburg

Ensemble

Stefan Neugebauer

SEHNSUCHT NACH THEATER

Wenn ich hier und heute über Sehnsucht schreibe, dann bleibt es nicht aus, dass mir zuerst die Beschränkungen  einfallen. Keine Theaterproben, keine Vorstellungen, kein Publikum.
Meine Sehnsucht nach Theater ist durch die Umstände noch größer geworden. Und wenn ich heute an die neue Spielzeit denke, merke ich, wie anders sich  plötzlich Stücke angesichts der Corona-Krise lesen.
Ich sehne mich nach einer Zeit, in der social distance der Vergangenheit angehört, in der Masken nur zum Karneval getragen werden, und in der wir wieder unbefangen aufeinander zugehen können.
Es heißt, Theater sei nicht „systemrelevant“. Die Aufmerksamkeit gilt anderen Bereichen: der Wirtschaft, dem Finanzwesen und nicht zu vergessen dem Impfstoff.
Aber ich kann mir gut vorstellen, dass auch Sie sich danach sehnen, wieder ins Theater zu gehen. Nicht nur wegen der Stücke sondern auch wegen des Miteinanders, des Austauschs und des gemeinsamen Theatererlebnis. Der Mensch lebt nämlich nicht vom Brot allein. Der Mensch, der noch die Sehnsucht nach etwas Höherem als puren Kapitalismus kennt, weiß, dass wir einander brauchen, um unser Menschsein zu spüren und zu bewahren. Aristoteles hat den Menschen als soziales Wesen definiert.
Ich sehne mich nach einem Bad in der Menge, nach Themenvielfalt und nach einem Theater, das sich wieder aktiv in die Stadtgesellschaft einmischt.

© 2020 Torsten Biel